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Kult Kuckucksuhren

Kult Kuckucksuhren

Kuckuck, Kuckuck schallt es nicht mehr nur aus dem heimischen Wald, sondern vorrangig aus vielen Wohnzimmern unseres Planeten. Möglich macht das die Erfindung der Kuckucksuhr. Dabei dürfte klar sein, dass die Japaner mit Abstand die Weltmeister im Lauschen dieser manchmal undefinierbaren Laute, die aus so einem Kasten dringen, sind. Sie haben die urdeutsche Erfindung der Kuckucksuhr in ihre Kult(Uhr) eingebracht und sind nun auch in der Lage, solche Kunstwerke auf den deutschen Markt zu schmeißen und gewinnbringend an deutsche Kuckucksuhrhändler zu veräußern. Aus Plaste versteht sich. Aber das nur nebenbei.
Wenn die Anfänge und Entstehung der Kuckucksuhr erforscht werden sollen, muss der Wissbegierige schon einige Jahrhunderte in der Zeit zurückgehen und wird feststellen, dass es zu dem Problem eine Reihe verschiedener Angaben gibt. Den Wahrheitsgehalt einzelner Varianten muss der Forschende dann selber filtrieren und die Richtige erkennen.
So soll im Jahr 1629 ein Patrizier aus Augsburg den Begriff Kuckucksuhr erstmalig und in Zusammenhang mit dem Kurfürsten August von Sachsen erwähnt haben.
Nun gut, auch über die Anfänge der Kuckucksuhrenherstellung im Schwarzwald bekommt man von der Geschichtsschreibung unterschiedliche Angaben. Es gibt Quellen, die das Ende des 17. Jahrhunderts als den Beginn der Kuckucksuhrzeit benennen. Andere meinen wieder, dass die ganze Sache erst einhundert Jahre später durch den Kuckucksruf aus der Konserve eingeleitet wurde. Wohl kaum einer wird widersprechen, wenn man nun den Beginn des Siegeszuges der Kuckucksuhr auf den Anfang des 19. Jahrhunderts festlegt.
Die Herstellung dieser Uhren erfolgte in Heimarbeit. Sie waren ganz aus Holz und hatten in der Anfangsphase nur einen Stundenzeiger. Vorwiegend in den langen Wintermonaten, wenn Höfe und Verbindungswege verschneit und abgeschnitten waren, konnte der erfinderische Geist und das gestalterische Geschick der Gebirgsbauern richtig zur Geltung kommen. Aus dieser Zeit sind uns wahre Kunstwerke erhalten geblieben, die in Schnitzerei und Motivbemalung ihres Gleichen suchen. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt und man kann sich als moderner Mensch nicht vorstellen, wie die von schwerer Arbeit zerschundenen Hände ein Schnitzmesser halten und so etwas Großartiges schaffen konnten. Diese Art der Uhrenherstellung wurde aber von der industriellen Revolution eingeholt, konnte dadurch die maschinelle Fertigung steigern und den Absatz in das Ausland vervielfältigen. Dabei ist erwähnenswert, dass die Kuckucksuhr als Wecker reißenden Absatz fand.
Nur durch die beiden Weltkriege unterbrochen, konnte die Herstellung der Kuckucksuhren bis in die heutige Zeit erhalten bleiben.
Was macht nun die Faszination dieser Mechanik aus? Es ist der, wie schon erwähnt, mittlerweile weltweit bekannte typische Klang, der Kuckucksruf und die Technik seiner Erzeugung. In eine Kuckucksuhr müssen zwei Pfeifen eingebaut werden und mit einem jeweils kleinen Blasebalg verbunden sein. Diese werden durch Anheben eines Schlagwerkes mit Luft gefüllt und erzeugen, wenn sie durch ihr Eigengewicht zusammenfallen einen Luftstrom, der durch zwei Lippenpfeifen geleitete wird und dadurch den typischen Vogelruf erklingen lässt. In den vergangenen Jahren gab und gibt es viele Versuche, angelehnt an die Kuckucksuhr, Regulatoren mit Tierstimmen zu versehen, aber die Versuche sind weit von einem ästhetischen Hörgenuss entfernt und schmerzen wohl eher das Trommelfell.
Um 1850 – 1860 ergaben sich einige grundlegende Veränderungen bei der bis da gebräuchlichen Schilder-Kuckucksuhr. Es wurden neue, aus dunklem Holz gearbeitete, hausähnliche Grundformen entwickelt, die mit geschnitzten oder ausgesägten Ornamenten versehen waren. Am Giebel befand sich nun ein Türchen, welches sich bei jeder vollen und halben Stunde öffnete, der Kuckuck rausschaute und je nach Anzahl der Stunden seinen Ruf abgezählt in den Raum hallen ließ. Diese neue Art der Kuckucksuhren wurde als „Bahnhäusel“ bekannt und entwickelte sich zu der Kuckucksuhr, wie wir sie heute kennen.
Man bescheinigt den Schwarzwäldern eine gewisse Bauernschläue, doch mit einem Gerücht sollte aufgeräumt werden, nämlich, dass sie beim Verkauf einer Uhr auch noch einen Sack Vogelfutter mitliefern. Aber wer weiß, bei den Japanern könnte es klappen.

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